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Seit Mitte der 1990er Jahre sind mehrere Millionen Menschen den kriegerischen Konflikten zum Opfer gefallen. Auch der 17.000 Mann starken UN-Friedenstruppe (MONUC) ist es bisher nicht gelungen, der Gewalt ein Ende zu setzen. Im Osten des Landes liefern sich trotz mehrerer Friedensabkommen noch immer diverse Milizen Gefechte untereinander und mit der nationalen Armee. Auch Verbände aus den Nachbarländern Ruanda und Uganda sind an den Kämpfen beteiligt. Dabei begehen alle Konfliktparteien schwerste Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung wie Tötungen, Plünderungen, Brandstiftungen und Zwangsrekrutierung. Sexuelle Gewalt wird im Kongo von allen Kriegsparteien als Kriegswaffe eingesetzt.
Die Zahl der Vertriebenen liegt allein in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu und Orientale bei zwei Millionen. Viele Familien wurden bereits mehrfach vertrieben und besitzen praktisch nichts mehr. Die meisten Vertriebenen sind aus Angst vor weiterer Gewalt in wenig zugängliche Gebiete geflüchtet und schwer erreichbar. Andere sind in Familien untergekommen, die oft selbst kaum genug zum Leben haben.
Wo Vertriebene nach dem Ende der Kampfhandlungen in ihre Dörfer zurückkehren, wie im Nord-Kivu, treffen sie auf eine weitgehend zerstörte Infrastruktur. Es gibt kaum funktionierende Gesundheitseinrichtungen, Straßen und Schulen. Die Landwirtschaft, Hauptbetätigungsfeld der Menschen im Ostkongo, leidet unter der jahrelangen Vernachlässigung wegen der Kämpfe. Die Folge sind Nahrungsmittelengpässe und Mangelernährung, insbesondere bei Kindern.
Überleben sichern
Unermüdlich sichern die Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe das Überleben der akut von Krieg und Gewalt betroffenen Bevölkerung im Nord-Kivu. Die Hilfe richtet sich an neu ankommende Vertriebene als auch an Rückkehrer und Familien, die Flüchtlinge aufgenommen haben, obwohl sie selbst kaum genug zum Leben haben. Etwa 22.000 Menschen erhalten Nahrungsmittelrationen bestehend aus 25 Kilo Reis, 12,5 Kilo Hülsenfrüchte und ein Kilo Salz. Außerdem werden Pakete mit Kleidung, Moskitonetzen, Seife, Decken, Kochgeschirr und anderen Gütern verteilt.
Verschiedene Gesundheitsstationen erhalten Medikamente und Material für die medizinische Versorgung von Überlebenden sexueller Gewalt. Diese bieten auch Notfallsprechstunden an und informieren über weitere Hilfsmöglichkeiten. Über das Netzwerk ACT Alliance (Kirchen helfen gemeinsam) wird neben der Verteilung von Hilfsgütern auch der Betrieb von fünf ambulanten Ernährungsstationen gesichert, die 3.600 mangelernährte Kinder mit Zusatznahrung versorgen und medizinisch betreuen. Diese Aktivitäten werden finanziell unterstützt vom Auswärtigen Amt.
Ernährungssicherung durch Landwirtschaft
Neben der akuten Nothilfe sollen landwirtschaftliche Projekte die Ernährung der Vertriebenen, der aufnehmenden Familien und der Rückkehrer längerfristig sichern. Rund 23.000 Familien im Nord-Kivu erhalten Saatgut zum Anbau von Gemüse und eiweißhaltigen Hülsenfrüchten sowie die dazu notwendigen landwirtschaftlichen Geräte, wie Gießkannen und Hacken, Saatgut und Dünger. Wegen der akuten Nahrungsmittelknappheit werden schnell wachsende Gemüsesorten mit hohem Nährwert bevorzugt, wie beispielsweise Kohl, Amarant und Auberginen.
Ansässige Familien und lokale Kirchen stellten die benötigten Flächen zur Verfügung. In praktischen Schulungen wird den Familien Basiswissen über geeignete Anbaumethoden vermittelt. Dabei stehen ihnen landwirtschaftliche Berater von der Aussaat bis zur Ernte zur Seite. Dieses Projekt wird finanziell unterstützt vom Amt für Humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (ECHO).
Nothilfe und Verbesserung der Trinkwasserversorgung
Auch in der Provinz Orientale, dem Einfallgebiet der Rebellengruppe Lord's Resistance Army, steigen die Flüchtlingszahlen dramatisch an. Die Diakonie Katastrophenhilfe und der Partnerorganisation LWF (Lutherischer Weltbund) versorgen dort über 33.000 Bedürftige mit lebenswichtigen Hilfsgütern. Die Familien erhalten Pakete mit Kochgeschirr, Decken, Kleidung und Plastikplanen für Notunterkünfte. Mit der Einrichtung und Befestigung neuer Wasserstellen und Latrinen und Informationen zur Hygiene werden die Trinkwasserversorgung und die Gesundheitssituation verbessert.
Bereits im Jahr 2009 startete die Diakonie Katastrophenhilfe ein weit reichendes Programm zur Ernährungssicherung und Hilfe für zurückkehrende Vertriebene. Dazu gehören u.a. der Neubau eines Ernährungszentrums und der Betrieb fünf weiterer Zentren für 4.000 schwer mangelernährte Kinder sowie der Bau von 38 Einrichtungen zur Trinkwasserversorgung. Um die Ernährungssituation nachhaltig zu verbessern, erhalten 6.000 Familien Saatgut, landwirtschaftliche Geräte und eine praktische Schulung. An zehn Schulen entstehen Gemeinschaftsgärten für Schulkinder. Diese Projekte werden finanziell unterstützt vom Auswärtigen Amt und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
zuletzt aktualisiert: 06.07.2010