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Sri Lanka, 18. Juni 2007. Mit voller Energie engagiert sie sich für ihre neue Heimat. Sie ist Mitglied im sechsköpfigen Dorfkomitee. „Ich will, dass es funktioniert“, sagt Jayanthi Jayasekara entschieden. Als der Tsunami vor zweieinhalb Jahren die Küste Sri Lankas verwüstete, verlor die 43-Jährige alles. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern gehört sie zu den ersten Bewohnern des jetzt offiziell eingeweihten baden-württembergischen Öko-Dorfs „Eco-Village“ nahe dem von der Flut schwer zerstörten Galle an der Westküste. Zwölf der 90 Häuser sind schon bezogen worden.
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Exakt ein Jahr nach der Grundsteinlegung ist das unter Federführung der Diakonie Katastrophenhilfe nach ökologisch und sozial nachhaltigen Gesichtspunkten erbaute Dorf mit 90 Häusern bezugsfertig. Das 2,5 Millionen Euro teure Umsiedlungsprojekt für vom Tsunami Betroffene ist im Februar 2005 initiiert worden. Diakonie, Landesstiftung und Umweltministerium Baden-Württemberg, die Speidel-Stiftung, Rotary-Clubs aus der Region Stuttgart und Lions-Freunde Nürtingen/Kirchheim-Teck fanden sich unter dem Dach „Tsunami Relief Cooperation Baden-Wuerttemberg“ zusammen.
Als der Geschäftsführer der Landesstiftung, Herbert Moser, zum ersten Mal die fertigen Häuser sieht, ist er schnell davon überzeugt, dass etwas Vernünftiges entstanden ist. Auch Albrecht Rittmann vom Umweltministerium findet viel Lob dafür, dass die Umsetzung so schnell und mit einem so knappen Etat geklappt hat. Der Projektleiter der Diakonie, Stefan Schröer, lächelt zufrieden, als er das hört. Schließliech sei viel Energie in die Umsetzung geflossen, meint er.
Architekt Jens Bokel verweist darauf, wie sehr jedes Detail durchdacht ist im Dorf. So bleiben die Häuser mit Hilfe eines ausgeklügelten Lüftungsszstems angenehm kühl. Das Gemeindezentrum mit Kindergarten, Medizinstation, Bibliothek und Markthalle soll nicht nur das Zentrum des Ortes, sondern des umliegenden Gebiets werden. Dies soll die Basis für eine neue Gemeinschaft werden, sagt Schröer.
Schließlich war das Ausmaß der Zerstörung in Sri Lanka enorm. Im Land wurden 120.000 Häuser zerstört oder beschädigt. Im Distrikt Galle waren es mehr als 14.000. 4.000 Menschen starben. 300 werden noch vermisst. Rund 70.000 Menschen waren dort von der Flut betroffen. Sie leben zum Teil heute noch in Übergangsunterkünften ode bei Verwanndten.
So ist es auch der 31 Jahre alten Sunethra Maddumacharige mit ihren fünf Kindern gegangen. Nach einer langen Odyssee durch Notunterkünfte hat sie endlich ein festes Dach über dem Kopf. Und das will sie genausowenig wie ihre Nachbarin Jayanthi wieder hergeben.
Wie gut es im Ort ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Das anfangs von manchen Betroffenen durchaus skeptsich betrachtete Vorhaben, ist zum Modellprojekt geworden. Vor allem auch deshalb, weil Projektmanager Stefan Schröer von Anfang an mehr wollte.
„Man kann nicht nur Haeuser hinbauen, sondern muss auch danach schauen, dass die soziale Gemeinschaft funktioniert“, betont er. Deshalb seien die Familien, die alle in dem von der Regierung nach der Flut ausgewiesenen Sicherheitsstreifen von 55 Metern am Meer, der unbewohnt bleiben muss, lebten, bewusst ausgesucht worden. Alters- und Berufsstruktur sollten ausgewogen sein.
Direkt am Meer hat auch Jayanthi gewohnt. Sie hat immer noch Albträume. Sie hat Angst vor dem Meer. Und wenn sie an die vielen Toten denkt, dann erschreckt es sie. Auch sie hat einen Cousin verloren. Die meisten im Dorf hätten Kinder oder Vater oder Mutter verloren, sagt Jayanthi. „hier fühle ich mich sicher“, sagt sie in dem sechs Kilometer von Galle entfernten Dorf. Mit einer Nähmaschine, die sie von einer indischen Hilfsorganisation erhalten hat, will sie das schmale Gehalt ihres Mannes aufbessern.
Schwierig gestalteten sich die die Bauarbeiten in dem bergigen und schwer zugänglichen Gelände. Allein 1.800 Kubikmeter Steine wurden gesprengt und 4.800 Kubikmeter Felsen und Steine zerkleinert. Entstanden ist ein rundum ökologisches Dorf mit Solaranlage, Solarlampen, Wassernetz mit Wasserturm, Mülltrennung und Kompostiereinheiten. Es gibt inzwischen eine Warteliste von Interessierten, die unbedingt in das Dorf ziehen wollen.
Für die Vertreterin der Diakonie, Hannelore Hensle, die frühere Leiterin der Katastrophenhilfe, ist klar, dass es trotz bester Voraussetzungen noch ein langer Weg zu einer tragfähigen Gemeinde ist. Jetzt gelte es, das Konzept mit Leben zu erfüllen. Dies sei nur möglich mit Menschen, die sich dafür engagieren. Sie hat die Dorfbewohner zu einem respektvollen Miteinander aufgerufen.
Rainer Lang
zuletzt geändert: 18.07.2007
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