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Zu viel Salz in Wasser und Boden 

Die täglichen Folgen des Klimawandels

Bangladesch, im Januar 2008. Im Süden des Landes hilft die Diakonie Katastrophenhilfe den Menschen mit befestigten Hütten, salzresistenten Reissorten oder neuen Trinkwasserteichen.

Sauberes Trinkwasser auf kurzem Weg: Das ist für Razia Begum (links) und ihre Familie noch ein Traum - mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe wird er bald wahr.
Sauberes Trinkwasser auf kurzem Weg: Das ist für Razia Begum (links) und ihre Familie noch ein Traum - mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe wird er bald wahr.
Foto: Jörg Böthling

Die Landschaft im Süden von Bangladesch ist geprägt von viel Grün in unterschiedlichsten Schattierungen. Auf dem fruchtbaren Schwemmland des Deltagebietes von Ganges und Brahmaputra gedeiht nicht nur der Reis zu fast allen Jahreszeiten. Hier wachsen Bananen, Mangobäume, Kokosnusspalmen oder Betelnusssträucher. Flüsse und Kanäle durchziehen das Land. Auf unzähligen Teichen und Tümpeln glitzert die Sonne der Tropen. Überall ziehen Menschen Fischernetze durch die Gewässer. Das Land scheint seine Bewohner gut zu ernähren. Doch beim genauen Hinsehen, bemerkt man, dass etwas nicht stimmt. Gelbe, vertrocknete Palmen stehen wie Mahnmale in der Landschaft. Obwohl das Meer noch etliche Kilometer entfernt ist und Kokosnusspalmen sehr salzresistent sind, gehen sie ein an zu viel Salz in Wasser und Boden. „Früher wuchs hier alles auf den Feldern - heute kommt mir das Land um unser Dorf herum vor wie eine nasse Wüste.“

Omed Ali Gazi hockt vor seiner Hütte aus Lehm, Reisstroh und Bambus. Sie steht in dem Dorf EastVacotmari, das kurz vor den Sunderbarns liegt. „Ich wollte auf meinem Land Reis anbauen, aber er wuchs einfach nicht.“ Nun überlegt der 70-Jährige, es an einen Shrimpfarmer zu verpachten. So wurden in den letzten drei Jahrzehnten immer mehr Reisfelder in Zuchtbecken umgewandelt. Doch an dem Export der Shrimps verdienen nur einige Wenige.

 „Dieses fruchtbare Land ist eigentlich ein Garten Eden“, sagt Peter Rottach, Koordinator des Projektes Katastrophenhilfe und Klimawandel der Diakonie Katastrophenhilfe. „Aber die lassen Meerwasser rein, um Shrimps zu züchten.“

Doch das ist nicht das einzige Problem im Süden von Bangladesch, wo die Ärmsten der Armen des Landes siedeln, weil sie nirgendwo anders einen Platz finden. Das Land, das nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, wird  regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht. Vor allem wenn im Frühjahr die Schneeschmelze im Himalaya einsetzt. Zudem drückt der ansteigende Meeresspiegel Salzwasser in die Flüsse, das über Bewässerungssysteme in die Reisfelder gelangt. Das salzige Meerwasser kann auch so weit ins Landesinnere vordringen, weil die Flüsse in der Trockenzeit weniger Süßwasser als früher führen. Denn Indien hat am Oberlauf des Ganges große Staudämme gebaut. Hinzu kommen Naturkatastrophen apokalyptischen Ausmaßes, wie zuletzt der Wirbelsturm Sidr.

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt lokale Nichtregierungsorganisationen, die der Bevölkerung helfen, mit den dramatischen Veränderungen ihrer Umwelt um zu gehen. In vielen Bereichen füllen sie damit die Lücke, die das Missmanagement der Regierung hinterlässt.

So wurden in den letzten Monaten mehrere Hundert befestigte Hütten in den Dörfern gebaut, mit erhöhten Fundamenten aus Ziegelsteinen, Betonpfeilern und Blechdächern. „Diese Baumaterialien in die Dörfer zu transportieren, ist sehr aufwendig und teuer“, sagt  Rajeeb Iqbal. Der Architekt arbeitet bei NABOLOK, einer der drei Partnerorganisationen vor Ort. Eine befestigte Hütte erhielten vorzugsweise Witwen, Tagelöhner mit vielen Kindern oder Menschen mit Behinderung.

Klimawandel und extensive Shrimpzucht haben zu einer starken Beeinträchtigung der Verfügbarkeit von Trinkwasser geführt. Immer mehr Flüsse und Teiche versalzen. „Früher haben wir Flusswasser getrunken, das ist mittlerweile zu salzig und wir müssen welches aus dem nächsten Dorf holen“, sagt Razia Begum aus dem Dorf Nolian und zupft an dem Rand ihres Kopftuches. Das kostet die Witwe und Mutter von fünf Töchtern nicht nur Geld, sondern auch einen Teil ihrer kostbaren Zeit. Neben Haushalt und Kindern, kümmert sie sich um eine kleine Geflügelzucht, die sie mithilfe eines Mikrokredites aufgebaut hat.

NABOLOK will für die rund zweitausend Einwohner des Dorfes einen Teich ausheben, in dem sie Regenwasser für die Trinkwasserversorgung sammeln können. Ein Komitee wird die Pflege des Reservoirs übernehmen und darauf aufpassen, dass niemand dort sein Vieh tränkt oder Abfall hineinwirft. In der Region versorgen die Menschen sich traditionell mit Trinkwasserteichen, sie sind eine preisgünstige Alternative zu Brunnen. Mit dem Aushub für den Teich soll eine Erhöhung aufgeschüttet werden, auf der die Dorfbewohner bei Überflutungen ihr Vieh vor dem Ertrinken schützten können.

Auch sollen in Zukunft mit bezahlter Eigenleistung der Dorfbevölkerung die Deiche erhöht werden, die den in den letzten Jahren gestiegenen Wasserständen immer weniger standhalten können. An dem lokal in großen Mengen verfügbaren Baustoff Lehm will man festhalten, aber Bepflanzungen könnten die Deiche stabilisieren helfen.

Um die Ernährung der Bewohner dieses eigentlich sehr fruchtbaren Landes zu sichern, sollen sie in Zukunft salzresistente Reissorten anbauen. „Wir haben in Projekten in Indien traditionelle Sorten mit dieser Eignung gesammelt“, erklärt Peter Rottach. „In anderen indischen Bundesstaaten und in Indonesien konnten wir diese bereits erfolgreich wieder etablieren, dort hatte die Einführung von Hochertragssorten sie verdrängt.“ Die Menschen in Bangladesch erhalten zudem für die nächste Aussaat Samen von schnell wachsenden Gemüsesorten, wie Okra oder Rettich, die sie alternativ zum Reis anbauen können.

Vielleicht wird die Diakonie Katastrophenhilfe die Menschen im Süden von Bangladesch bald auch bei der Versicherung ihres bescheidenen Besitzes unterstützten. Das wurde auf den Andamanen erprobt, unter anderem durch die Einführung von Gemeindepolicen. „Der Klimawandel wird vor allem von den hoch entwickelten Industrieländern verursacht, ausbaden müssen ihn die Menschen hier vor Ort“, sagt Peter Rottach. „Wir sollten zumindest ihre Versicherungspolicen übernehmen.“
 
Klaus Sieg

zuletzt aktualisiert: 31.01.2008

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