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Klimaanpassung in Birma 

Auf hölzernen Beinen

Als im März 2011 in der Region Bo Ba Gone am indischen Ozean eine gewaltige Springflut über die Küste rollte, erfuhren die Bewohner, wie wichtig Bäume im Kampf gegen den Klimawandel sind. FREDA, eine Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, hatte vor rund 2 Jahren in der Region begonnen, parallel zum Sandstrand eine zehn Meter breite Baumlinie zu pflanzen. Bei der Springflut nahm die Baumreihe an einigen Stellen Schaden, bewahrte aber die hinter ihr liegenden Reisfelder vor Zerstörung. Nach Ansicht der Bauern wäre ohne die Bäume eine ganze Ernte verloren gegangen.

Mit Aufforstung die Entwaldung bremsen

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind noch fast 50 Prozent der Fläche Birmas bewaldet. Doch die Waldfläche nimmt rapide ab. Derzeit liegt die Entwaldungsrate bei fast einem Prozent der gesamten Waldfläche. Die industrielle Holzverwertung ist der Hauptgrund für die Abholzung. Wie in der gesamten südostasiatischen Region sind Entwaldung und Landdegradierung der größte Klimakiller. Sie verursachen mehr als 75 Prozent des CO2-Ausstoßes, wogegen sich der Energiesektor mit 15 Prozent und die Landwirtschaft mit acht Prozent fast bescheiden ausnehmen.

Holzernte ja – aber nur nach Plan

Die Zerstörung der Wälder Birmas steht in krassem Widerspruch zu den sogenannten staatlichen "Gemeindewaldinstruktionen" aus dem Jahr 1995, die nicht nur den Schutz und Erhalt des Waldes zum Ziel haben, sondern dabei auch die lokalen Gemeinden einbinden wollen. Auf Wunsch erhalten diese von den Forstbehörden Flächen für Aufforstungen, auf denen sie Bäume pflanzen und später Hölzer selektiv einschlagen dürfen. So können sie ihren eigenen Brenn- und Bauholzbedarf decken, aber auch im lokalen Handel wirtschaftliche Gewinne erzielen.

Klimawandel bereits spürbar

"Kommunale Forste sind ein Multifunktionsmittel der Klimaanpassung", erläutert Peter Rottach, Klimaexperte der Diakonie Katastrophenhilfe. Neben den ökologischen Effekten der Wasserinfiltration, Erosionsbekämpfung und des Artenschutzes leisten sie wichtige ökonomische Beiträge zur Armutsminderung. Denn in der Regel ist der jährliche Wertzuwachs eines heranwachsenden Waldes weit höher als die Gewinnspanne in der Landwirtschaft. Nicht zuletzt sind Bäume wichtige Instrumente zum Schutz vor Naturkatastrophen aller Art, ob es sich dabei um Dürren, Springfluten, Zyklone, Erdrutsche oder Flussüberschwemmungen handelt. Für Birma wird der Wert der Bäume in Zukunft eher noch zunehmen. Denn es gibt Hinweise, dass sich die in der Bucht von Bengalen entstehenden Zyklone verstärkt nach Osten gen Birma wenden. Der Klimawandel macht sich aber auch durch unregelmäßige Regenzeiten und Witterungsextreme bemerkbar. Immer häufiger treten Regenfälle während der Reisernte auf. Dann verfault das Getreide am Halm oder im Speicher.

Versalzung von Wasser und Böden

Der prognostizierte Meeresspiegelanstieg wird vor allem das Irawady-Delta mit seiner flachen Küstenlinie. Schon heute ist der Zugang zu Trinkwasser prekär. Die Menschen sind zum Teil auf Händler angewiesen, die mit Booten von Dorf zu Dorf fahrend Wasser verkaufen. Oder sie wandern in den Trockenmonaten in andere Regionen des Landes ab. Dabei ließe sich die Wasserversorgung der Familien mit relativ geringem Aufwand erheblich verbessern. So hat die Diakonie Katastrophenhilfe nach dem Zyklon Nargis Hunderte Häuser mit neuen Dächern, Dachrinnen und Zisternen ausgestattet, um das Regenwasser aufzufangen und besser zu nutzen. Der Versalzung der Böden und des Grundwassers zu begegnen ist dagegen ungleich schwieriger. Hier kommen als Anpassungsmaßnahmen eigentlich nur Bemühungen im Saatgutbereich in Frage, wie zum Beispiel die Auswahl, Züchtung und Verbreitung salztoleranten Reissaatgutes.

Holzvergaser als Dieselersatz

An einem der ungezählten Nebenarme des Irawadi liegt das Dörfchen Htaw Paing. Swe Aye betreibt dort eine Reismühle der besonderen Art: Ihre Energiegrundlage sind Reisspelzen, ein Abfallprodukt der Reismühlen, die in einem Holzvergaser zu einem brennbaren Gas umgewandelt werden, mit dem dann der Generator für die Reismühle betrieben wird. So spart Swe Aye nicht nur Geld für Diesel, er betreibt auch noch aktiven Klimaschutz. Denn übers Jahr pumpt die Spelzenverwertung im Vergleich zu einer dieselbetriebenen Anlage fast 130 Tonnen C02 weniger in die Luft. Dass Aye in seiner Heimatregion bis jetzt dennoch ein Einzelkämpfer geblieben ist, liegt vor allem an den etwa 10.000 US-Dollar Investitionskosten für die Aanlage. In zwei Dörfern hat die Diakonie Katastrophenhilfe je eine Holz- und Reisspreuvergasungsanlage für die Stromerzeugung installiert. Zwei weitere sollen bis 2012 entstehen. Die Technik haben die Partner aus Sri Lanka übernommen, wo die Holzvergaser nach dem Tsunami mit Erfolg erprobt worden war.

"Green Growth" – umweltfreundliche Entwicklung

Nach wie vor genießt der Klimaschutz in Birma keine besonders große Aufmerksamkeit – ganz im Gegensatz zu dem Thema "Grüne Ökonomie". Doch wie der Einsatz feuerholzsparender Öfen zeigt, gibt es zwischen Klimaschutz und umweltfreundlicher Wirtschaft zahlreiche Berührungspunkte. Mit einem feuerholzsparenden Ofen lassen sich gegenüber einem traditionellen Drei-Steine-Ofen 80 Prozent des Feuerholzes einsparen. Und da er außerdem kaum Rauch erzeugt, trägt er auch zu einer nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit bei. 2012 will die Diakonie Katastrophenhilfe die ersten dieser hoch effizienten Öfen in Birma einführen. Und damit einen Technologietransfer fördern, der nicht – wie häufig bei Großprojekten – gegen die Interessen der armen Bevölkerungsmehrheit gerichtet ist, sondern ihr direkt gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile bringt und daneben auch noch die Umwelt schützt.

zuletzt aktualisiert: 09.12.2011

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