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Tsunami-Projekte im gesamten Land gefördert 

Nothilfe erreichte viele Menschen

Es war eine gespenstische Szene, wenige Tage nachdem der Tsunami große Küstengebiete von Sri Lanka verwüstet hatte: Großen Kranwagen setzten die verbeulten Eisenbahnwaggons wieder auf die Schienen. Polizisten mit Atemschutzmasken sperrten die Bahngleise ab. Und aus den Wagenfenstern warfen Helfer Kleidungsstücke, Koffer und Kinderspielzeug – alles, was Reisende auf einer Bahnfahrt dabei haben.

Vater Pansun streicht das neue Haus, waehrend Mutter T. Vijayarani und Baby Sardursen davor stehen. Sie haben von der Organisation Devasarana Development Centre (DDC) in Kurukalmadam bei Baticaloa, ein Uebergangshaus gebaut bekommen, das sie spaeter, wenn sie ihr richtiges Haus aufgebaut haben, als Kueche nutzen werden. Foto: Thomas Lohnes

Manimaran (r.) von der Organisation Devasarana Development Centre (DDC, )  koordiniert in Kurukalmadam bei Baticaloa, 28.04.05, den Hausbau für die Tsunami-Opfer. Foto: Thomas Lohnes

Fischer Karunasena (l.) mit seinem neuen Boot. Foto: Thomas Lohnes

Bootsbau-Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe bei Tangalle. Foto: Thomas Lohnes

Bootsreperaturwerkstatt in Kaluvernkerny bei Baticaloa, ein Projektpartner der Diakonie Katastrophenhilfe. Foto: Thomas Lohnes

V. Kanegasabei (48) bekommt in der Bootsreperaturwerkstatt in Kaluvernkerny bei Baticaloa in einem Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe sein Boot, das von dem Tsunami stark beschädigt wurde, wieder aufgebaut. Foto: Thomas Lohnes

Knöcheltief versanken die Helfer in den Zugabteilen in den verstreuten Habseligkeiten der Reisenden. Kurz zuvor hatte die Welt im Fernsehen die dramatischen Bilder der von den Fluten fortgerissenen Eisenbahnwaggons sehen können. Mehr als tausend Passagiere starben in diesem Zug. Jedes Teil, das in dem völlig verwüsteten Zug verstreut war, erinnerte an das persönliche Schicksal eines der Opfer. Fassungslos standen die Angehörigen am Bahndamm. Ihre Familienangehörigen waren verschwunden, fort gerissen von den Fluten.

Es sind solche Szenen, die mir immer im Gedächtnis haften bleiben werden. Damals hatte mich die Diakonie Katastrophenhilfe nach Sri Lanka entsandt, um den Kontakt mit unseren Partnerorganisationen aufzunehmen.

Die Mitarbeiter standen zum Teil selbst noch unter Schock. Einige hatten Verwandte verloren, andere waren auf der Suche nach verschollenen Familienangehörigen. Ich erinnere mich daran, wie bei einem Zwischenstopp in einer Stadt eine verzweifelte Frau zu uns kam und uns bat, ihr bei der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter zu helfen. An der Küste sah es verheerend aus: Häuser und Straßen waren zerstört, die Strände mit Unrat übersät, die Fischerboote waren völlig kaputt.

Die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe begannen unmittelbar nach der Katastrophe mit der Nothilfe. Beispielsweise packten Freiwillige in Kirchen in Sri Lankas Hauptstadt Colombo Pakete mit Lebensmitteln, Kleidung und Kochgeschirr und transportierten sie zu den Überlebenden. In allen Landesteilen leistete das evangelische Hilfswerk Nothilfe. Wichtig waren vor allem Haushaltsgegenstände, mit denen tausende Familien ausgestattet wurden. „Wir hatten nach der Katastrophe nichts mehr. Selbst unsere Kleider wurden uns in den Fluten vom Leib gerissen“, berichtete eine der Überlebenden kurz nach der Katastrophe in einer Notunterkunft. Sie hatte sich mit ihrem Baby im Arm mehrere Stunden verzweifelt an einer Palme festgeklammert. Auch ihr Mann und ihr älterer Sohn hatten auf diese Weise die Katastrophe überlebt.

Auch bei der Hilfe zum Wiederaufbau war die Diakonie Katastrophenhilfe in allen Landesteilen aktiv. So wurden im Norden, Osten und Süden des Landes mehrere hundert Häuser gebaut. Zerstörte Schulen wurden wieder errichtet. Schwer getroffen hatte der Tsunami auch eine Reihe von Kliniken.  Das evangelische Hilfswerk finanzierte zum Beispiel die Ausstattung für die Entbindungsstation im Lehrkrankenhaus von Jaffna.

Weil ungezählte Fischerboote und Netze zerstört worden waren, unterstützte die Diakonie Katastrophenhilfe in den Küstenregionen Point Pedro und Batticaloa sowie im Süden, an der Westküste und im Nordosten Sri Lankas Fischer. Das Hilfswerk stellte ihnen neue Boote und Netze zur Verfügung. In Point Pedro und Batticaloa richtete das Projektteam der Diakonie Katastrophenhilfe zudem je eine Bootswerkstatt ein, um die vielen beschädigten Boote wieder einsatztauglich zu machen.

Es gab aber auch Projekte, die nicht wie geplant zu Ende geführt werden konnten. So ließen sich Bauvorhaben im Norden der Insel wegen der wiederaufflammenden kriegerischen Auseinandersetzungen nicht wie geplant umsetzen. Das machte deutlich, wie wichtig stabile Verhältnisse für den Wiederaufbau in Krisengebieten sind. Auch bei der Wiederaufforstung von Mangroven in den Küstenregionen gab es einige Anlaufschwierigkeiten – der richtige Umgang mit den Setzlingen musste zunächst erlernt werden. Inzwischen ist das Projekt der lokalen Partnerorganisation Sewalanka-Stiftung jedoch erfolgreich und verbindet für die Anwohner den Schutz der Küste mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen.

Von Rainer Lang

zuletzt aktualisiert: 08.12.2009

> Online spenden: Katastrophenhilfe weltweit

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