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Den Tsunami-Opfern Hoffnung geben 

Die Mopedrikscha sichert die Existenz

Syarwan ist sehr zufrieden: Der 52-jährige Indonesier wartet schon am frühen Morgen mit seiner Mopedrikscha im Zentrum von Banda Aceh auf Kunden. Obwohl das Geschäft schlechter läuft als früher, findet Syarwan, dass sein Leben viel einfacher sei als früher. Vor fünf Jahren war der Vater von drei Kindern froh, dass er und seine Familie mit dem Leben davon gekommen waren. Der Tsunami hatte Tod und Zerstörung über die Stadt gebracht. Mithilfe der Diakonie Katastrophenhilfe gelang es Syarwan, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Samsul ist der jüngste Sohn von Syarwan. Der Vater ist stolz auf ihn. Er studiert und finanziert sich sein Studium, indem er abends an einem Imbiss arbeitet, den er gemeinsam mit Freunden in Banda Aceh gestartet hat.

Syarwan verdient sich seinen Lebensunterhalt mit seiner Mopedrikscha. Diese konnte er sich kaufen, weil er nach dem Tsunami  einen Kleinkredit von FBA, einem Partner der Diakonie Katastrophenhilfe erhielt.

Syarwan (links) mit einem Fahrgast. Der Mann verdient sich seinen Lebensunterhalt mit seiner Mopedrikscha. Diese konnte er sich kaufen, weil er nach dem Tsunami  einen Kleinkredit von FBA, einem Partner der Diakonie Katastrophenhilfe erhielt.

In Banda Aceh unterstützte die Diakonie Katastrophenhilfe auch Fischer mit Booten und Netzen. Der Fang wird sofort für den Verkauf auf dem MArkt vorbereitet.

Der Fischer Sukri (links) repariert mit einem Freund den Motor seines Bootes. Sukri hat beim Tsunami seine ganze Familie verloren. Von der Diakonie Katastrophenhilfe erhielt er ein neues Boot nach dem Tsunami.

Zum Schutz der Küsten hat die Diakonie Katastrophenhilfe, wie hier in Banda Aceh, die Wiederaufforstung mit Mangroven unterstützt. Die Pflanzen bieten auch Krabben einen Lebensraum, mit denen die Anwohner wiederum Geld verdienen können.

Syarwan hat seine Mopedrikscha neben der großen Moschee im Zentrum von Banda Aceh geparkt. Das Gotteshaus sei nach dem Tsunami voll von Leichen, Unrat und Schlamm gewesen, erinnert er sich. In der Nachbarschaft sind fünf Jahre nach der riesigen Flutwelle noch die Spuren der Zerstörung zu sehen. Das baufällige Betonskelett unweit der Moschee war einmal ein Einkaufszentrum.

Ganze Stadtviertel und Vororte habe die mehrere Meter hohe Welle weggespült, berichtet Syarwan. „Da stand nichts mehr, alles war verschwunden mitsamt den Menschen“, erinnert er sich. Seine Familie habe glücklicherweise überlebt. Eine seiner Schwestern und sein Neffe starben. Nachdem das Haus in Banda Aceh zerstört war, fand Syarwan mit seiner Familie zunächst bei Verwandten in seinem Heimatdorf etwa 100 Kilometer entfernt Unterschlupf.

Sieben Monate später kam er nach Banda Aceh zurück – und machte sich auf die Suche nach Arbeit. Schon vor der Katastrophe verdiente er sich mit einer Mopedrikscha seinen Lebensunterhalt. Aber die Flutwelle hatte das Fahrzeug unbrauchbar gemacht. Syarwan blickt zurück: „Wir standen vor dem Nichts.“ Ohne Geld und ohne Arbeit habe er nicht gewusst, wie er seine Familie ernähren sollte.

Aus dieser schwierigen Lage habe er sich mit Unterstützung von „Forum Bangun Aceh“ (FBA), einer lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, befreien können, sagt der Familienvater. FBA hatte sich zum Ziel gesetzt, den Überlebenden der Flutkatastrophe zu helfen, sich eine Existenz aufzubauen. Elf Millionen Rupiah hat Syarwan als Darlehen erhalten für eine neue Mopedrikscha - indonesisch „Becak“. Er blickt zurück: „Damit gab es für die Familie wieder Hoffnung.“ Er hatte dadurch wieder ein Einkommen und zahlte davon jeden Monat eine Rate des Kredits zurück.

Ein Jahr nach dem Tsunami konnte Syarwan mit seinem neuen Geschäft starten. Aber es dauerte noch ein weiteres Jahr, bis es ein neues Haus für die Familie in Banda Aceh gab. Bis dahin schlief der Familienvater im Beiwagen seiner Rikscha. Heute sind die Kinder erwachsen. Samsul, der jüngste Sohn, lebt noch bei den Eltern. Auf ihn ist der Vater besonders stolz: Der 20-Jährige studiert an der Universität islamisches Recht und möchte einmal bei einer Bank arbeiten.

Sein Studium finanziert sich der junge Mann selbst. Mit zwei Freunden eröffnete der 20-Jährige eine Imbissbude, in der er jeden Abend – sieben Tage in der Woche - von fünf Uhr abends bis ein Uhr morgens arbeitet. Der Stand ist gut besucht. Denn er sei bekannt für seine guten Burger, sagt eine junge Kundin. Viele junge Leute sind am Abend in der Stadt auf ihren Mopeds unterwegs und treffen sich an Imbissständen oder in Restaurants.

„Wirtschaftlich hat sich die Stadt in den vergangenen fünf Jahren enorm entwickelt“, sagt Syarwan mit Freude. Doch das tut seinem Geschäft nicht so gut: „Mehr Leute können sich nun ein eigenes Moped leisten.“ Deshalb seien die „Becaks“ nicht mehr so stark gefragt. Glücklicherweise fand er ein zweites Standbein: Seit einiger Zeit fährt er morgens Zeitungen aus.

Sein Sohn Samsul erinnert sich, wie glücklich er war, als sein Vater seine neue Mopedrikscha bekam und damit ein regelmäßiges Einkommen hatte. Als glückliche Wendung betrachtet er es, dass der Vater sein Geschäft mehr und mehr auf das Zeitungsausfahren verlegen kann.
 
Das neue Haus der Familie steht in der Nähe des Hafens. Auch dort half FBA. Mit Mitteln der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützte die lokale Partnerorganisation eine Gruppe von 38 Fischern – Männer, die ihre gesamte Familie verloren hatten. Einer von ihnen ist Sukri.

Der 35-Jährige Sukri verlor seine Frau und seinen Sohn im Tsunami. Er ist einer von fünf Überlebenden einer 36-köpfigen Großfamilie. In dem Viertel, in dem er lebt, haben von den einst 2000 Bewohnern gerade einmal 150 überlebt. Sukri berichtet: „Ich habe weder mein Haus noch irgendjemanden von meiner Familie nach dem Tsunami wieder gefunden.“
 
„Jeder der Fischer hat heute ein Einkommen“, sagt Cik Madi, der damalige Leiter des Projekts. Darin sieht Renee Manoppo, Mitarbeiter im Büro der Diakonie Katastrophenhilfe in Indonesien, eine Bestätigung für die Strategie des evangelischen Hilfswerks: Die Fischer erhielten nicht nur neue Boote, sondern bauten diese auch selbst. So sei gewährleistet gewesen, dass diese Boote optimal eingesetzt worden seien, sagt Renee. „Auch wenn die Menschen von der Katastrophe betroffen sind, können sie selbst etwas tun“, fügt er hinzu. Hunderte von Familien bekamen so die Chance, sich ein neues Leben aufzubauen.

zuletzt aktualisiert: 08.12.2009

> Online spenden: Katastrophenhilfe weltweit

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