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Er kann es immer noch nicht fassen, welches Glück er hatte: Eigentlich wollte Muhammad Nazif mit einem Freund in Banda Aceh am Strand schwimmen. Doch er fühlte sich nicht wohl und ging wieder nach Hause in sein Dorf. Das rettete ihm das Leben. Denn an jenem Tag brachte der Tsunami Tod und Zerstörung. Die riesige Flutwelle riss Hunderttausende im Norden der indonesischen Insel Sumatra in den Tod. Seit der Flutkatastrophe arbeitet Muhammad für YEU, die lokale Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe.
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Mit mobilen Kliniken war YEU in vielen Fällen die erste Organisation, die den Opfern Hilfe brachte, berichtet Armia, der Kollege von Muhammad. Das war auch in Lambana so, einem Küstenort in der Nähe von Banda Aceh. Dort seien sie auf völlig verängstigte Menschen gestoßen, die sich auf die umliegenden Hügel geflüchtet und sich dort notdürftige Unterkünfte errichtet hatten. Zu ihnen zählte auch Lidia. Die 30-Jährige, die heute die Frauengruppe im Ort leitet, war mit ihrem damals dreijährigen Kind und ihrem Baby um ihr Leben gerannt.
Sie erinnert sich: „Hinter mir hat das Wasser die Häuser verschlungen.“ Und die junge Frau fügt hinzu: „Ich war so verwirrt, dass ich stehen blieb und zurück schaute. Da nahm mein Mann meinen Arm und zog mich mit sich.“ Mehr als 80 der 1.500 Einwohner sind in den Fluten umgekommen. Insgesamt haben die Überlebenden zwei Jahre lang in Zelten in den Hügeln gelebt. Die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützten die Opfer.
Besonders bedrückend sei die Situation für die Überlebenden gewesen, weil damals in Aceh Bürgerkrieg herrschte, der erst 2006 endete. Kontrollposten der Armee und der Rebellen behinderten die Arbeit der Helfer: Bis 18 Uhr beispielsweise mussten die Hilfsmaßnahmen täglich beendet sein. Lidia ist froh, dass diese Zeit überwunden ist. Die 30-Jährige sagt: „Heute können wir uns frei bewegen, wir müssen keine Angst mehr haben.“ Viele Beobachter sind der Ansicht, dass die Katastrophe und das Leiden der Bevölkerung den Weg zum Frieden geebnet haben.
Drei Monate nach dem Tsunami gründeten sich mit Unterstützung von YEU Frauengruppen. Mit Krediten schuf sich die Mehrzahl der knapp 40 Mitglieder in Lidias Gruppe Einkommensmöglichkeiten: Zehn haben einen Laden aufgebaut, acht halten Kleintiere wie Ziegen und Hühner, vier sind Bäuerinnen geworden und fünf backen Kuchen und verkaufen ihn. Das Projekt ist nach Ansicht von Lidia „ein voller Erfolg“.
Nurwani zum Beispiel konnte ihren vom Tsunami zerstörten Laden wieder aufbauen. Die 59-Jährige verkauft neben Getränken und Süßigkeiten auch frittierte Teigtaschen, die mit Gemüse gefüllt sind, und gebratene Bananen im Teigmantel. Die 59-Jährige ist auf das Geld, das sie mit ihrem Laden verdient, angewiesen - damit kann sie ihre Kinder, die noch zur Schule gehen, unterstützen. Sie arbeitet jeden Tag von zwei Uhr nachmittags bis zehn Uhr abends.
Während des Tsunamis hatte sie ihre Mutter verloren. Sie sei in ihren Armen im Wasser gestorben, nachdem sie von einem Baumstamm getroffen worden sei, blickt Nurwani zurück. Eine Kundin im Laden erinnert sich: „Jede Familie ist von dem Tsunami betroffen gewesen.“ Schließlich seien fast alle Häuser im Ort zerstört worden. Bis heute sind noch einige Ruinen zu sehen. Und viele Menschen hätten bis heute bei Stürmen große Angst.
Die Diakonie Katastrophenhilfe ermöglichte gemeinsam mit YEU vielen Frauen im Dorf einen Neuanfang möglich. Daneben startete YEU in sieben Dörfern ein Programm zur Katastrophenvorsorge. Dazu gehört das Anpflanzen von Mangroven als Schutz gegen die Flut, das Einrichten von „geschützten Zonen“, in die sich die Menschen bei erneuter Flutgefahr zurückziehen können und die Simulation von Gefahrensituationen. Dazu wurden in jedem Dorf Teams eingesetzt, die für diese Alarmübungen verantwortlich sind. Auch Lidias Mann ist dabei.
zuletzt aktualisiert: 08.12.2009
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