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Tommy Ramm schildert die aktuellen Entwicklungen 

Dramatische Situation in Haitis Hauptstadt

Tommy Ramm von der Diakonie Katastrophenhilfe schildert die Entwicklungen in Port-au-Prince.

Tausende Menschen strömen zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben durch die Straßen der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince - ziellos, hoffnungslos, apathisch. Während die einen in Richtung Flughafen ziehen und hoffen, dort Hilfe zu bekommen, verlassen viele Betroffene die Stadt, die vielerorts einem Trümmerhaufen gleicht.

Die Innenstadt ist zerstört und der Gestank verwesender Leichen wird Stunde um Stunde stärker. "Die Stadt Port-au-Prince, wie wir sie kennen, hat aufgehört zu existieren", sagt Astrid Nissen, Projektleiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti. Die haitianische Regierung erklärte am Donnerstag, dass bereits 7000 Tote beerdigt worden seien. Die Leichen, die aus den Trümmern geborgen wurden, werden an den Rändern der Hauptstraßen abgelegt, mit Schaufelbaggern aufgesammelt und auf Lkw geladen. Sie bringen die Toten auf das zentral gelegene Gelände eines Krankenhauses im zerstörten Zentrum, wo Familien nach ihren Angehörigen suchen, um ihnen zumindest ein würdevolles Begräbnis geben zu können. Mittlerweile türmen sich dort mehr als 1000 Tote.

Dabei haben die Aufräumarbeiten durch internationale Organisationen gerade erst begonnen. Die meisten Toten werden unter den Schuttbergen vermutet, weshalb die Opferzahlen in den nächsten Tagen und Wochen vermutlich in die Zehntausende gehen werden. Seit Donnerstagmorgen treffen Flüge mit Hilfsgütern auf dem Flughafen ein, der zur Drehscheibe für die humanitäre Hilfe geworden ist. US-Marines koordinieren die Abläufe auf dem Flughafen. Schweres Gerät wurde herangeschafft, um mit den Bergungsarbeiten in der Stadt zu beginnen.

Besonders prekär ist die Situation für die Verletzten. Vor einem Krankenhaus in der Stadt müssen mehr als 100 Verletzte unter freiem Himmel ausharren und auf Hilfe warten. Es gibt weder ausreichend Medikamente noch genügend Ärzte, um die Menschen zu versorgen. Zudem fehlt es an Wasser und Lebensmitteln. Läden oder Supermärkte, die nicht zerstört wurden, blieben aus Angst vor Plünderungen geschlossen.

Die Diakonie Katastrophenhilfe koordiniert direkt in Haiti die Nothilfe. Zunächst werden über den Landweg bis zum Wochenende Hilfslieferungen aus der benachbarten Dominikanischen Republik ins Land kommen, um den Menschen in ihrer schlimmsten Not zu helfen. Am Montag wird ein von Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas mit Hilfsgütern beladenes Flugzeug in Port-au-Prince eintreffen, welche die medizinische Versorgung von 80.000 Menschen sicherstellen soll, sowie Decken, Zelte und Plastikplanen bringt. Astrid Nissen ist sich sicher: "Das ist nur der erste Schritt, denn der zweite wird die Wiederaufbauphase sein." Und diese könnte durch die verheerenden Zerstörungen viele Jahre dauern.

zuletzt aktualisiert: 15.01.2010

> Online spenden: Erdbebenhilfe Haiti

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