| || Home > Hilfe weltweit > Projekte > Haiti > Tagebuch |
Rainer Lang, Pressereferent der Diakonie Katastophenhilfe, brach acht Tage nach dem verheerenden Erdbeben nach Haiti auf. Er hat seine Eindrücke mit Notizbuch und Videokamera festgehalten.
< zurück
Tagebuch Haiti
Tag 1
Hektischer Aufbruch in Stuttgart am Tag 8 nach dem katastrophalen Erdbeben in Haiti am 12. Januar. Am Dienstagmorgen um 5 Uhr klingelte zum ersten Mal das Telefon. Ein Kollege aus der Dominikanischen Republik berichtete von einem schweren Erdbeben im benachbarten Haiti.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 2
Frühes Aufstehen war angesagt. Nach knapp fünf Stunden Schlaf klingelte der Wecker. Um 7 Uhr sollten wir auf dem Flughafen sein. Abfahrt 6.30 Uhr. Schon kurze Zeit später stecken wir vor der US-Botschaft fest. Es geht nichts mehr vor und zurück.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 3
Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Beim regelmäßigen Treffen der deutschen Hilfsorganisationen in der deutschen Botschaft geht es vor allem auch um die Frage der geordneten Verteilung. Das ist ein großes Problem. Auch ich habe in Port-au-Prince chaotische Szenen gesehen bei Verteilungen. Ähnliches berichten auch andere Hilfsorganisationen in der Runde. Wenn der Druck zu groß werde, könne die Situation schnell kippen, warnen sie.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 4
Am Sonntagmorgen werde ich bei unserem Partner Mudha abgesetzt. Die Organisation hat ihren Sitz in der Dominikanischen Republik und hat ihr Camp in Port-au-Prince unweit unseres Büros aufgeschlagen. Im Hof stehen dicht an dicht kleine Igluzelte, in denen die Freiwilligen untergebracht sind. Elena ist eine davon.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 5
An diesem Tag erhält ein Kinderkrankenhaus der Organisation „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ aus Baden-Württemberg zwei Großraumzelte von der Diakonie Katastrophenhilfe. Es gibt einfach zu viele Patienten und zu wenige Betten. Außerdem wollen manche aus Angst vor Nachbeben im Freien schlafen.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 6
Heute geht es in das Projektgebiet der Diakonie Katastrophenhilfe in den Süden nach Jacmel. Der Leiter der Hilfsmaßnahmen, Tommy Bouchiba, und Büroleiterin Astrid Nissen wollen sich ein Bild machen von der Lage und sich über die angelaufenen Hilfsmaßnahmen informieren. Die Straße nach Jacmel ist trotz einiger Erdrutsche offenbar wieder passierbar.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 7
Nach ermüdender Rückfahrt sind wir um die Mittagszeit wieder in Jacmel. Dort stehen Abstimmungsgespräche an. Zelte und Werkzeuge werden erwartet. Ein Programm „Geld oder Nahrungsmittel für Arbeit“, also Cash oder Food for Work muss mit den Vereinten Nationen abgestimmt werden. Es geht auch darum, ob es in größerem Ausmaß Lager geben soll oder die Familien eher individuell in der Nähe ihres Grundstücks ihr Zelt aufbauen.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 8
Am folgenden Tag verzweifle ich am Vormittag mit einer Kollegin aus Großbritannien fast. Im Verkehrschaos der Hauptstadt geht es kaum voran. Wir benötigen Stunden, um zur Basis unserer Partnerorganisation „Mudha“ zu kommen. Wir sind auf dem Weg in das von „Mudha“ betreute Waisenhaus in Leogane. Dort erwartet uns eine niedergedrückte Stimmung. Die Mitarbeitenden stehen noch unter Schock.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 9
Es ist klar, dass wir den Tag am Flughafen verbringen werden. Ein Airbus ist angekündigt. Von Hamburg aus hat das Unternehmen einen Testflieger auf den Weg geschickt mit Hilfsgütern für die Haiti Kinderhilfe und die Diakonie Katastrophenhilfe. Für uns sind 60 Werkzeugsets dabei, die für 300 Familien in Jacmel zur Beseitigung der Trümmer gedacht sind. Das ist eine Sache der Logistik. Es ist schwieriger als in den ersten Tagen, weil der Betrieb am Flughafen viel größer ist.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 10
An diesem Tag bin ich mit dem Vertreter der Schwesterorganisation von „Brot für die Welt“, der Schwesterorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, in der Hauptstadt unterwegs. Mit der Direktorin der Organisation CES besuchen wir eine stark beschädigte Behindertenschule in der Innenstadt. Wir stehen im Hof der Schule vor einem Trümmerhaufen, aus dem der Verwesungsgeruch dringt. Arbeiter haben damit begonnen, die Trümmer zu beseitigen. Ob die Schule abgerissen werden muss, kann man nicht genau sagen.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 11
Es ist Sonntag. Der erste Tag der ruhiger beginnt. Für mich steht die Rückreise an. Eine Kollegin aus Kanada geht ebenfalls. Ich bin froh, dass wir auf dem Rückweg zu zweit sind. Dann bin ich nicht allein mit all den Eindrücken. Zum ersten Mal kommen wir dazu, ausführlicher miteinander zu sprechen, obwohl wir jeden Tag im Büro zusammengearbeitet haben. Sie war zufällig während des Erdbebens in Port-au-Prince. Sie erzählt mir von ihren Erlebnisse. Die ersten zwei Tage nach der Katastrophe hat sie in einem Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ geholfen. „Es waren die schlimmsten Tage meines Lebens“, sagt sie.
> weiter
Tagebuch Haiti
Tag 12
Abflug von Santo Domingo. Erschöpft setze ich mich ins Flugzeug. Finde aber auf dem knapp zehnstündigen Flug keine Ruhe und kaum Schlaf. Zu Hause angekommen gehe ich erst einmal ins Büro. Die ersten Anfragen der Medien liegen schon wieder vor. Aber ich fühle mich noch wie in Trance. Ich muss erst einmal schlafen.
> weiter
< zurück