| || Home > Hilfe weltweit > Projekte > Haiti > Tagebuch > Tag 11 |
< zurück
Es ist Sonntag. Der erste Tag der ruhiger beginnt. Für mich steht die Rückreise an. Eine Kollegin aus Kanada geht ebenfalls. Ich bin froh, dass wir auf dem Rückweg zu zweit sind. Dann bin ich nicht allein mit all den Eindrücken. Zum ersten Mal kommen wir dazu, ausführlicher miteinander zu sprechen, obwohl wir jeden Tag im Büro zusammengearbeitet haben. Sie war zufällig während des Erdbebens in Port-au-Prince. Sie erzählt mir von ihren Erlebnisse. Die ersten zwei Tage nach der Katastrophe hat sie in einem Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ geholfen. „Es waren die schlimmsten Tage meines Lebens“, sagt sie.

Die Verletzungen seine grauenhaft gewesen. Menschen mit zerquetschten und fast abgetrennten Gliedmaßen, oft seien die Knochen aus den Wunden hervorgestanden. Es hätten jedoch nur die nötigsten Operationen ausgeführt werden können. Die übrigen mussten mit ihren schlimmen Verletzungen ausharren. Viele wurden notdürftig verbunden und wieder weg geschickt. Oft kamen sie erst zu spät mit schweren Infektionen viele Tage später wieder und mussten amputiert werden. Für sie sei es apokalyptische Tage gewesen, sagt sie. Dann hat sie im Büro der Diakonie Katastrophenhilfe die Organisation übernommen. Viele der lokalen Mitarbeiter waren ja selbst betroffen und suchten nach verschollenen Angehörigen.

Als wir in Santo Domingo ankommen, fühlen wir uns wie in eine andere Welt katapultiert. In der Stadt sind viele Touristen. Alles leuchtet und glänzt. Am Strand vergnügen sich die Menschen. Wir können es einfach nicht glauben, dass es nicht weit weg auf derselben Insel eine Region des Grauens gibt.
< zurück