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Heute geht es in das Projektgebiet der Diakonie Katastrophenhilfe in den Süden nach Jacmel. Der Leiter der Hilfsmaßnahmen, Tommy Bouchiba, und Büroleiterin Astrid Nissen wollen sich ein Bild machen von der Lage und sich über die angelaufenen Hilfsmaßnahmen informieren. Die Straße nach Jacmel ist trotz einiger Erdrutsche offenbar wieder passierbar. Zuerst müssen wir uns durch den dichten Verkehr in der Hauptstadt quälen bis wir auf der Straße nach Leogane sind. Wir fahren durch eine verwüstete Umgebung, die an die von Bomben zerstörten Städte in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Ich beschreibe die Szenerie als albtraumhaft und apokalyptisch – nur Zerstörung und Trümmer. Da wird nochmals bewusst, welche Ausmaß diese Katastrophe hat.
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Von Leogane geht es über die Bergkette an die Südküste. Die Straße hat noch einige Engstellen wegen der Erdrutsche. Aber wir kommen gut durch. Entlang der Straße zum Teil heftige Zerstörungen. In Jacmel erkennt man wenigstens noch das Stadtbild. Die Zerstörungen konzentrieren sich vor allem auf den unteren Teil der Stadt, von der rund 60 Prozent betroffen sind. Die Fahrt war nicht so lang wie befürchtet. Die Basis unserer Partnerorganisation „Crose“ ist zum Feldlager geworden. Einige der Büros sind ins Freie ausgelagert worden. Zahlreiche freiwillige Mitarbeiter bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Die Verteilung der Hilfsgüter aus dem ersten Hilfsflug läuft auf Hochtouren. Wir begleiten eine Verteilaktion vom Lagerhaus von „Crose“ aus. Die Hilfsgüter werden an die von „Crose“ schon vor dem Erdbeben betreuten Solidaritätsgruppen verteilt. Diese bestehen aus jeweils etwa 30 Familien, also 150 bis 200 Personen. Je nach Bedarf werden die Hilfsgüter in den den Gruppen aufgeteilt. Die Verteilung läuft völlig unspektakulär und völlig ruhig ab. Ein völliger Kontrast zu den offiziellen Verteilaktionen. So geht es also auch. Voraussetzung ist der enge Kontakt zur Bevölkerung. Das hat sich schon in den von „Mudha“ betreuten Camps in Port-au-Prince gezeigt.
Dann kommt ein Anruf aus dem in der Nähe von Jacmel gelegenen Ort Bainet, wo die Diakonie Katastrophenhilfe auch die Landwirtschaft gefördert hat. Die Verteilung hat dort begonnen. Wir sollen dazu stoßen. Die Fahrt dorthin ist ein Albtraum. Drei Stunden werden wir durchgeschüttelt. Kurz nach Jacmel war die befestigte Straße zu Ende. So sieht es überall aus in Haiti. Auf dem Land fehlt fast jegliche Infrastruktur.

Die Logistik wird hier zu einer extremen Herausforderung. Unsere Mitarbeitenden im Büro kennen dies seit Jahren. Schon seit Tagen warnt deshalb Astrid Nissen vor einer Überlastung der ländlichen Region durch Hunderttausende Stadtflüchtlinge. Zum einen sind die aufnehmenden Familie schnell an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Außerdem gibt es in dem bettelarmen Haiti auf dem Land kaum Nahrungsmittelressourcen, um eine größere Menge an Menschen zu ernähren. Auch die Diakonie Katastrophenhilfe will sich in ihrem Projektgebiet um die Ernährungslage kümmern.
Die Verteilung in Bainet verläuft völlig ruhig ab. Wir sprechen mit einem Lehrer, der davon erzählt, wie tief der Schock bei den Kindern sitzt. Die Schule steht, aber wie überall traut sich niemand in die Gebäude. Auch in Bainet schlafen die Menschen im Freien. Hier sind die Schäden begrenzt. Die Diakonie Katastrophenhilfe wird hier den Opfern Zelte bereit stellen. Der Ort liegt direkt an der Küste. Die Menschen hier sind sehr arm. Es könnte ein Paradies sein. Als die Sonne untergeht, tauch sie die Landschaft in ein zauberhaftes Licht. Der Kontrast zur Realität macht eine traurige Stimmung. Wir übernachten in unserem Büro in Bainet. Die Mitarbeitenden schlafen im Freien, aus Angst vor den Nachbeben.
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