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Tagebuch Haiti 

Tag 5

An diesem Tag erhält ein Kinderkrankenhaus der Organisation „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ aus Baden-Württemberg zwei Großraumzelte von der Diakonie Katastrophenhilfe. Es gibt einfach zu viele Patienten und zu wenige Betten. Außerdem wollen manche aus Angst vor Nachbeben im Freien schlafen.

Die Fahrt von unserem Büro zum Kinderkrankenhaus gerät zur Geduldsprobe. Es liegt in der Nähe der US-Botschaft und des Flughafens. Die Straße dorthin ist chronisch überlastet. Mit Büroleiterin Astrid Nissen bin ich anderthalb Stunden unterwegs. Als wir im Kinderkrankenhaus ankommen, treffen wir schon im Garten unter Plastikplanen auf die ersten Patienten. Astrid kämpft sich durch das Gewimmel im Eingangsbereich und macht sich auf die Suche nach einem Ansprechpartner. Als ich vom Empfang aus um die erste Ecke biege, kann ich direkt in den Operationssaal blicken. Ein Junge wird gerade operiert, die Chirurgen hantieren mit Schläuchen an seinem Oberkörper.  Es sieht dramatisch aus. Schon hier wird deutlich, wie gut das Krankenhaus geführt wird. Alles ist äußerst gepflegt.

Astrid Nissen hat endlich die Managerin des Krankenhauses gefunden. Sie fällt uns um den Hals, als sie erfährt, dass wir die Zelte bringen. Sie entlasten das Krankenhaus, das 100 Betten hat, aber gegenwärtig 140 Patienten versorgen muss, angesichts der Katastrophe auch Erwachsene. Nur die Hälfte sind Kinder. Die Zelte sollen als Erholungsraum für frisch Operierte dienen.

Klinikmanagerin Vanessa Carpenter sagte, dass die beiden Großraumzelte dringend gebraucht würden. „Wir können damit viele unserer Platzprobleme lösen“, fügte sie hinzu. Die Zelte werden zur Unterbringung der Patienten genutzt, die gerade operiert worden sind und eine Erholungsphase nötig haben. Carpenter wies außerdem darauf hin, dass die Klinik dringend weitere Medikamente benötige.

Die Managerin führt uns in einige der Patientenzimmer. Je mehr wir sehen, um so bedrückender wird die Stimmung. Wir sprechen mit einem Jungen, dessen Operation ansteht und dem eine Amputation seines Fußes droht. Trotzdem ist er guter Stimmung und freut sich, dass wir mit ihm sprechen. Daneben liegt ein Mädchen, zittern und apathisch, völlig traumatisiert. Wir gehen in den ersten Stock. Dort sehen wir, welche traurigen Folgen die Katastrophe hinterlassen hat. Kinder mit amputierten Gliedmaßen werden hier versorgt. Manche haben Schmerzen, andere liegen ruhig im Bett. Die Eltern sitzen meist völlig konsterniert neben dem Bett. Mich nimmt der Besuch sehr mit. Wie werden die Kinder künftig zurechtkommen, frage ich mich. Wir bleiben eine Stunde im Krankenhaus und nehmen die Bitte mit, doch noch Medikamente zu liefern. An denen mangele es an allen Ecken und Enden, heißt es.

Bei Einbruch der Dunkelheit kehren wir ins Büro zurück. Die anderen haben ein Sitzungsmarathon hinter sich. Die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen erfordert genaue Planung und Abstimmung – mit der Zentrale in Stuttgart, mit anderen Hilfsorganisationen im Rahmen der UN-Koordination und mit lokalen Behörden.  Dies schafft aber auch eine gewisse Zufriedenheit – es bewegt sich etwas, die Hilfe kommt an. Im Büro der Diakonie Katastrophenhilfe hat unterdessen ein Treffen der Mitglieder des globalen kirchlichen Hilfsnetzwerks actalliance (Kirchen helfen gemeinsam) begonnen, die im Land aktiv sind. Dazu gehören insgesamt 13 Organisationen, unter anderem aus Großbritannien, den USA, Norwegen oder Dänemark. Die Koordination hat der neben Lutherische Weltbund übernommen, der ebenfalls ein Büro in Port-au-Prince hat.

Die ACT-Mitglieder berichten über ihre Arbeit. Ein wichtiger Punkt sind die möglichen Schwierigkeiten bei der Verteilung von Hilfsgütern. Es ist auch bei Verteilaktionen von ACT-Mitgliedern zu Gedränge und Chaos gekommen. Man ist sich einig, dass es in manchen Situationen ohne Sicherheitskräfte nicht geht. Ausgeschlossen wird jedoch von allen militärischer Beistand. Hier möchten alle ACT-Mitglieder die nötige Distanz bewahren.

> Online spenden: Erdbebenhilfe Haiti

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