| || Home > Hilfe weltweit > Projekte > Haiti > Tagebuch > Tag 2 |
< zurück
Frühes Aufstehen war angesagt. Nach knapp fünf Stunden Schlaf klingelte der Wecker. Um 7 Uhr sollten wir auf dem Flughafen sein. Abfahrt 6.30 Uhr. Schon kurze Zeit später stecken wir vor der US-Botschaft fest. Es geht nichts mehr vor und zurück. Die Menschenmassen vor der Botschaft sind angeschwollen gegenüber dem Vortag. Wir beschließen auszusteigen und zu Fuß zu gehen. UN-Soldaten fragen wir nach dem Weg. Die sagen aber, dass es ziemlich weit ist. Hektisch winken wir Motorradtaxis herbei. Als es um die Frage des Preises geht, fordern die Fahrer zehn Dollar.
Wir reagieren empört, vergessen aber dabei in der Hektik zunächst, dass es nicht um US-Dollar, sondern um einheimische Dollar geht, die weit weniger wert sind. Viele Ausländer zahlen jedoch anstandslos den Preis in US-Dollar, was wohl schnell zu einem Preisanstieg führen wird, zumindest für Ausländer.

Eine halbe Stunde verspätet erreichen wir auf unseren Mopeds schließlich den Hintereingang des Flughafens. Wie am Tag zuvor wollen wir aufs Rollfeld, aber amerikanische Soldaten halten uns auf. Die Regeln haben sich geändert. Wir sollen ganz um das Flughafengebäude herumgehen zu einem anderen Eingang. Als wir darauf insistieren, dass es bislang keine Probleme gab und wir Güter in einen Helikopter beladen müssen, ruft der Soldat seinen Vorgesetzten, der uns glücklicherweise vom Tag zuvor kennt und passieren läßt. Auch an diesem Tag hat sich also wieder etwas verändert in Port-au-Prince.
Die US-Marines sind schon dabei, einen der großen Blackhawk-Helikopter zu beladen. Ein Filmteam der ARD macht Aufnahmen. Insgesamt sind vier Flüge vorgesehen. Auf dem zweiten fliege ich selber mitten, eingeklemmt zwischen der Außenwand des Helikopters und einer Palette voll Lebensmittel. Nach 20 Minuten landet der Helikopter in Jacmel, wo uns kanadische Soldaten in Empfang nehmen und die Paletten entladen. Die Kisten werden von Mitarbeitern unserer Partnerorganisation vor Ort gleich wieder auf Lastwagen verladen und in eine Lagerhalle gebracht, von wo sie dann verteilt werden sollen.

Mit demselben Helikopter geht es dann zurück. Die Besatzung nutzt den leeren Laderaum dazu, einige Frauen und Kinder auszufliegen. Am Abend macht sich der Tag auf dem Rollfeld in praller Sonne bemerkbar. Ich kann kaum noch die Augen offen halten und sinke ins Bett. Die Stimmung im Team ist gut, weil die Hilfsgüter endlich ihr Ziel erreicht haben. Wann werden sie nun verteilt?
< zurück