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Nothilfe für entlegene Dörfer 

Türkei

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat es in der Stadt Van im Osten der Türkei ein Erdbeben gegeben, diesmal mit der Stärke 5,6. Es ereignete sich am Mittwochabend kurz nach 21 Uhr Ortszeit. Insgesamt sind dabei 25 Gebäude eingestürzt, in drei davon wurden Menschen verschüttet. Bereits am 23. Oktober hatte es in der Region ein Beben der Stärke 7,2 gegeben, bei dem nach Angaben der türkischen Regierung 2262 Häuser eingestürzt waren. Die Diakonie Katastrophenhilfe ist weiterhin vor Ort, um den Betroffenen zu helfen und hat dafür bereits 250.000 Euro zur Verfügung gestellt. Finanzielle Unterstützung erhält das Hilfswerk jetzt auch vom Auswärtigen Amt – als eine von nur zwei deutschen Organisationen.

Die schwersten Zerstörungen im türkischen Erdbebengebiet gab es in der rund 74.000 Einwohner umfassenden Stadt Ercis. Dutzende mehrstöckige Gebäude stürzten zusammen. Foto: Kerem Yucel

Auch die Provinzhauptstadt Van (380.000 Einwohner) hat große Schäden zu verzeichnen. Insgesamt sollen mehr als 2.200 Häuser zerstört oder schwer beschädigt sein. Foto: Kerem Yucel

Nach offiziellen Angaben wurden bisher 570 Todesopfer gefunden, doch 187 Menschen konnten auch leben aus den Trümmern geborgen werden (Stand: 28.10.). Foto: Kerem Yucel

Schneeregen und Minusgrade erschweren die Bedingungen für die Überlebenden des Bebens, von denen einige noch immer auf Zelte warten. Foto: Kerem Yucel

Ayse Kose aus dem Dorf Gedikbudak, unweit von Van, beschreibt die Minuten des Bebens so: "Es war wie das Ende der Welt!" Foto: Kerem Yucel

Viele Menschen campieren unter freiem Himmel, weil ihre Häuser zerstört sind, oder einzustürzen drohen, oder aus Angst vor den zahlreichen Nachbeben. Foto: Kerem Yucel

Während Rettungskräfte in den größeren Städten schon früh begonnen haben, Zeltlager einzurichten, sieht die Lage abseits der Zentren Van und Ercis, in den entlegenen Bergdörfern, ganz anders aus. Foto: Kerem Yucel

Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt bis zu 80.000 Haushalte in der Region Van von den Folgen des Erdbebens betroffen sind. Foto: Kerem Yucel

Die Menschen in den entlegenen Dörfern abseits der Zentren Van und Ercis warten noch immer verzweifelt auf Hilfe. Am dringendsten benötigen die obdachlos gewordenen Menschen winterfeste Unterkünfte, Decken, warme Kleidung und Öfen, berichten die Helfer. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe

Mitarbeiter des Diakonie Katastrophenhilfe-Partners "Support to Life", die in den entlegenen Bergdörfern unterwegs sind, berichten, dass zahlreiche Häuser zerstört und unbewohnbar geworden sind. In den meisten Dörfern gibt es kein Strom und Wasser mehr. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe

Viele Überlebende müssen im Freien campieren, weil ihre Häuser zerstört sind, einzustürzen drohen, oder aus Angst vor den zahlreichen Nachbeben. Dies ist umso dramatischer, da für die nächsten Tage  Regen und Schnee angekündigt ist. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe

Knapp drei Wochen nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei schreckte am Mittwochabend ein neuerliches Beben die Menschen in der Region um Van auf. Zwei Dutzend Häuser stürzten dabei ein, darunter ein Hotel, in dem sich Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aufhielten. Zwölf Tote konnten bisher aus den Trümmern geborgen werden (Stand: 11.11.). Das neue Beben hat die Einsatzkräfte nicht gestoppt, die Hilfe im Katastrophengebiet läuft weiter auf Hochtouren – auch seitens der Diakonie Katastrophenhilfe.

Winterschutz hat oberste Priorität

Das evangelische Hilfswerk verteilt Decken, Planen und andere dringend benötigte Hilfsgüter, um die Not der Erdbebenopfer zu lindern. Regen und eisige Temperaturen machen den vielen obdachlos gewordenen Familien besonders zu schaffen. Erdstöße der Stärke 7,2 hatten am 23. Oktober weite Teile der Provinz Van nahe der Grenze zum Iran verwüstet. Die schwersten Zerstörungen gab es in der Stadt Ercis sowie in der Provinzhauptstadt Van. Häuser, Brücken und Straßen stürzten ein, Wasser- und Stromversorgung brachen zusammen. Bis zu 80.000 Haushalte sind laut offiziellen Angaben von den Folgen des Erdbebens betroffen. Mehr als 2.200 Gebäude wurden schwer beschädigt oder völlig zerstört. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf über 600 Personen gestiegen. Hunderte Menschen werden noch vermisst.

Unterstützung für entlegene Dörfer

Bislang wurden über 1.400 Nachbeben registriert, keines aber so heftig wie das vom 9. November, welches für weitere Zerstörung und Angst unter den Anwohnern gesorgt hat. Ein Team von "Support To Life" (STL), der türkischen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, war bereits kurz nach dem ersten Beben ins Katastrophengebiet gereist, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Dabei wurde schnell klar: Hilfe wird besonders auf dem Land gebraucht.

Denn während Rettungskräfte in den Zentren Van und Ercis rasch Zeltlager errichteten, trafen in den abgelegenen Dörfern weiter nur vereinzelt Hilfstransporte ein. "In vielen Dörfern reicht die Hilfe nicht für die Vielzahl der betroffenen Familien", berichtet Sema Genel, Leiterin von STL. Die Diakonie Katastrophenhilfe versorgt daher weiter gezielt die Menschen in den entlegenen Dörfern. Für die Erdbebenhilfe in der Türkei hat das evangelische Hilfswerk bislang rund 250.000 Euro bereit gestellt.

Auswärtiges Amt "spendet" Matratzen und Bettdecken

Viele Erdbebenopfer in den teils nur schwer erreichbaren Dörfern hausen seit dem Oktober-Beben im Freien. Ihre Häuser sind eingestürzt oder unbewohnbar geworden. Ihr Hab und Gut liegt unerreichbar unter Schutt begraben. "Am dringendsten benötigen die betroffenen Menschen in den Dörfern winterfeste Unterkünfte, Decken, warme Kleidung und Öfen", berichten die Einsatzkräfte. Regen und Kälte setzen ihnen besonders zu. Das Team der Diakonie Katastrophenhilfe hat daher begonnen, 10.000 warme Decken und 4.000 Plastikplanen zu verteilen, die Schutz vor der Witterung bieten sollen.

Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes – das die Diakonie übrigens als eine von nur zwei deutschen Organisationen finanziell unterstützt – erhalten 1.000 weitere Familien Matratzen und Bettdecken sowie wärmende Unterwäsche und Wollsocken gegen die Kälte. 350 besonders bedürftige Familien statten die Helfer zudem mit Öfen aus, die sich sowohl zum Heizen als auch Kochen nutzen lassen.

Gute Logistik dank freiwilliger Helfer

Unterstützt von Freiwilligen organisieren die erfahrenen türkischen Partner, die ihre Basis ebenfalls in einem Zelt eingerichtet haben, die Verteilung. Je ein Katastrophenhelfer und vier Freiwillige fahren die Dörfer an. Damit die Ausgabe der Hilfsgüter reibungslos abläuft, wird die Auswahl der Bedürftigsten sowie Zeit und Ort vorab mit den Dorfvorstehern und Gemeindekomitees abgestimmt.

Und die Menschen dort sind dankbar für jede Unterstützung. Denn im Gegensatz zu den Städten kommt im Hinterland nur wenig offizielle Hilfe an. Viele der ohnehin armen Bauernfamilien stehen nach der Katastrophe vor dem Nichts. Neben den Wohnhäusern hat das Beben auch Ställe und Scheunen zerstört. Gerade Familien mit kleinen Kindern oder älteren, kranken oder behinderten Angehörigen sind nicht in der Lage, diese Not aus eigener Kraft zu bewältigen. Beim Wiederaufbau werden sie daher dringend Unterstützung brauchen. Auch dabei steht ihnen die Diakonie Katastrophenhilfe zur Seite.

Katastrophenvorsorge im Blick

Gemeinsam mit ihrem türkischen Partner arbeitet das Hilfswerk nämlich daran, die Vorsorge in erdbebengefährdeten Gebieten auszubauen und zu verbessern. Denn vielerorts fehlt es an Konzepten für die Katastrophenvorsorge. Auch das Bewusstsein für die Gefährdung ist nicht auf allen Ebenen ausgeprägt. So kommt es trotz strenger Bauvorschriften immer wieder zu schweren Folgen, weil gesetzliche Vorgaben in der Praxis umgangen werden.

In Simav, im Westen des Landes, wo sich im Mai dieses Jahres ein schweres Erdbeben ereignet hatte, hat die Diakonie Katastrophenhilfe jetzt ein Projekt zur Katastrophenvorsorge auf den Weg gebracht, das sich unmittelbar an die örtliche Bevölkerung und Behörden richtet. Lern- und Informationsmaterial und praktische Trainingseinheiten sollen die Menschen in den gefährdeten Dörfern über die Bedrohung aufklären und ihnen helfen, sich besser vor solchen Katastrophen zu schützen bzw. darauf vorzubereiten. Für Gemeinden gibt es Hilfestellung, um konkrete Pläne für den Katastrophenfall zu entwickeln und Verantwortung für die Katastrophenvorsorge zu übernehmen.

Netzwerk für den Ernstfall

Darüber hinaus unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe neben Nothilfe- und Wiederaufbauprogrammen ihre türkische Partnerorganisation "Support To Life" dabei ein humanitäres Koordinationsnetzwerks, das Turkish Humanitarian Forum (THF), einzurichten. Ziel ist es, lokale Organisationen zu befähigen, Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln und schnell auf Katastrophen reagieren zu können. Dabei kann die türkische Partnerorganisation auf umfangreiche Erfahrungen im Wiederaufbau und der Risikovermeidung in Erdbebengebieten zurückgreifen.

Kompetente Partner vor Ort

Übrigens: Hayata Destek Dernegi (Support To Life, kurz: STL) ist eine türkische Nichtregierungsorganisation mit langjähriger Erfahrung in Erdbebengebieten. Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet seit 2003 mit ihr zusammen. Nach den Erdbeben in Bam/Iran (2003) und Kaschmir/Pakistan (2005) und den Überschwemmungen in Pakistan im vergangenen Jahr wurden gemeinsam umfangreiche Hilfsprogramme umgesetzt. Das Team von STL hat nicht nur schnelle Soforthilfe geleistet. In der Folgezeit haben die Helfer auch die von den Beben betroffenen Menschen beim Wiederaufbau unterstützt und geholfen, die Katastrophenvorsorge in der Region auszubauen.

zuletzt aktualisiert: 11.11.2011

> Online spenden: Erdbebenhilfe Türkei

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