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Das Ende des "ewigen Frühlings" 

Guatemala

Im vergangenen Jahrzehnt haben Stürme, Dauerregen, aber auch Dürren in Guatemala deutlich zugenommen. Laut einer aktuellen Studie von Germanwatch hatte das kleine mittelamerikanische Land nach Pakistan 2010 die meisten Todesopfer und Schäden durch Wetterextreme weltweit zu verzeichnen. In einer UN-Liste der durch Naturkatastrophen am meisten bedrohten Länder rangiert Guatemala auf Platz 4. Auch dieses Jahr setzte Dauerregen weite Teile des Landes unter Wasser und führte erneut zu schweren Schäden in Infrastruktur und Landwirtschaft, die die Menschen nicht allein schultern können. Neben Nothilfe setzt die Diakonie Katastrophenhilfe daher verstärkt auf Prävention. 600.000 Euro stellt das Hilfswerk für Projekte bereit, die besonders bedrohten Gemeinden helfen, sich an den Klimawandel anzupassen und die Folgen von Naturkatastrophen zu vermindern.

Das Wasser steht hüfthoch im Haus von Lucas Ramirez. Er half dem Team von ASECSA bei der Schadensanalyse.

Lucas Ramirez vor seinem Haus.

Das technische Team von ASECSA bei der Schadensanalyse in der Gemeinde Roto Viejo.

Kinder, die evakuiert wurden, übernachten in einer provisorischen Notunterkunft.

Überschwemmungen in der Gemeinde Roto Viejo.

Zerstörte Maisfelder: Die Überschwemmungen haben immense Schäden in der Landwirtschaft angerichtet.

Betroffene aus der Gemeinde Roto Viejo mit Mitgliedern von ASECSA.

Lucas Ramirez ahnte, dass es wieder passieren würde. Hüfthoch floss das Wasser in sein Haus im Dorf Roto Viejo, im Norden Guatemalas. Hilflos musste er zusehen, wie Mobiliar und Hausrat im trüben Wasser trieben. Inzwischen trocknet der Schlamm langsam und bildet eine neue Kruste auf dem Boden seines Hauses. "Einen Monat standen wir diesmal unter Wasser", erzählt der 30-jährige. "Letztes Jahr waren es zwei Wochen". In Guatemala vergeht kaum ein Jahr ohne Naturkatastrophen.

Schäden in Millionenhöhe

2010 zogen die Stürme "Agatha" und "Matthew" über das Land hinweg und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Diesmal war es ein Tiefdruckgebiet, das Mitte Oktober in weiten Teilen Mittelamerikas für schwere Überschwemmungen sorgte. Tagelange Regenfälle ließen Flüsse über die Ufer treten und lösten Erdrutsche aus. Dutzende Menschen kamen ums Leben. Mehr als 18.000 Häuser wurden zerstört. Über eine halbe Million Menschen waren betroffen. Nicht nur an der Pazifikküste, sondern auch in der Provinz Petén, wo Ramirez lebt. In ganz Mittelamerika werden die Schäden auf etwa 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Nach dem Regen kommt der Hunger

Den Ärmsten in Guatemala droht jedoch eine weitere Gefahr. "Aus den Erfahrungen der letzten Jahre wissen wir, dass nach einem solchen Regen der Hunger kommt", erklärt Gloria Torrejano, Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe. In einigen Gebieten sind Schätzungen zufolge bis zu 70 Prozent der Mais und Bohnenproduktion verloren gegangen.

Lucas Ramirez erging es nicht anders. "Wir hatten auf 2, 8 Hektar Landwirtschaft betrieben. Die Mais- und Bohnenanpflanzen sind nun zerstört. Die Hühner im Wasser ertrunken." Er weiß, dass er von vorne anfangen muss. Wieder einmal. Das evangelische Hilfswerk reagierte und leistet Nothilfe in der Küstenprovinz Santa Rosa und in Petén im Norden des Landes. Rund 1.100 Betroffene werden derzeit mit Lebensmitteln und Haushaltsutensilien versorgt. Mobile Gesundheitsteams betreuen die Menschen medizinisch.

Helfen, bevor die nächste Flut kommt

Doch die Aktivitäten der Diakonie Katastrophenhilfe gehen über die akute Nothilfe hinaus: Im November wurde gemeinsam mit dem lokalen Partner ASECSA (Verein für kommunale Gesundheitsversorgung) ein Projekt gestartet, das die Lebensgrundlagen wiederherstellen und die Anfälligkeit von 19 Gemeinden langfristig vermindern soll. Zuvor hatten die deutschen und kolumbianischen Partner eine detaillierte Risikoanalyse durchgeführt, um die am stärksten von Naturkatastrophen bedrohten Gemeinden zu identifizieren.

Nur gezielte Vorsorge kann den besonders armen Gemeinden Schutz und Entwicklungsperspektiven geben. "Wenn nicht, werden die Menschen jedes Jahr mehr von den unberechenbaren Wetterphänomenen betroffen sein, ohne sich davor schützen zu können", so Gloria Torrejano.

Mit Sicherheit eine Mahlzeit mehr pro Tag

Mit finanzieller Unterstützung der deutschen Regierung werden 480 indigene Familien mit Saatgut für Bohnen, Erdnüsse und Mais ausgestattet, das an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst ist. Bis zur ersten Ernte erhalten die Betroffenen weiter Nahrungsmittelpakete. Parallel ermöglicht das Programm den Anwohnern für die Selbstversorgung auf kleinen Parzellen Gemüse anzubauen und Geflügel und Schweine zu züchten. Ziel ist, die Nahrungsmittelsicherheit nachhaltig zu verbessern. Während gegenwärtig die Mehrzahl der Familien nur einmal am Tag eine Mahlzeit zu sich nimmt, soll erreicht werden, dass bis Ende 2013 vier von fünf Familien zumindest zwei Mal täglich essen können.

Neue Bäume zum Schutz der Wasserquellen

Um den Folgen des Klimawandels und den Schäden durch Wetterextreme entgegenzuwirken, werden zudem 57 Hektar Wald auf Gemeindeland aufgeforstet, die vor allem dem Schutz von Wasserquellen dienen. Denn gerade die Abholzung der Wälder erhöht die Bodenerosion und damit auch Gefahr für die Menschen.

Rund 73.000 Hektar Wald gehen jährlich durch Rodung oder zur Gewinnung von Ackerflächen verloren, forciert durch Armut, ungerechte Landverteilung und fehlendes Wissen im Umgang mit natürlichen Ressourcen. Während Guatemala 1990 noch 92 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft erzeugte, reduzierte sich der Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2005 auf 40 Prozent. Zwar ist der CO2-Ausstoss in Guatemala pro Person zwanzigmal niedriger als in den USA. Doch die Auswirkungen des Klimawandels bekommen die 13 Millionen Einwohner Guatemalas mit voller Wucht zu spüren.

Bewusstsein für die Klimarisiken schaffen

"Wer, wie unsere Organisation, nicht warten will, bis die nächste Katastrophe kommt, ist gut beraten, den Klimawandel mit seinen Bedrohungen ernst zu nehmen und so früh wie möglich Maßnahmen der Anpassung umzusetzen", erklärt Peter Rottach, Klimaexperte der Diakonie Katastrophenhilfe. Bei den Aktivitäten in Guatemala gehe es vorrangig darum, die Erosion zu bekämpfen und den Boden mithilfe organischer Düngung fruchtbar zu erhalten, aber auch das Bewusstsein für Klimarisiken innerhalb der Bevölkerung zu stärken.

Neben Aufforstung und praktischen Maßnahmen zur Ernährungssicherheit sind daher auch Schulungen in den Gemeinden vorgesehen. Zudem werden kommunale Notfallkomitees geschaffen und ausgebildet, die für ihre Gemeinden Notfallpläne und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel ausarbeiten. "Damit können zukünftige Überschwemmungen oder Dürren zwar nur begrenzt verhindert werden. Aber ihre negativen Auswirkungen auf die besonders gefährdeten Haushalte lassen sich verringern", ist sich Rottach sicher.

Die Diakonie Katastrophenhilfe fördert die Nothilfe und Katastrophenvorsorge in Guatemala aktuell mit rund 600.000 Euro.

zuletzt aktualisiert: 06.12.2011

> Online spenden: Fluthilfe Mittelamerika

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