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Am 12. Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben weite Teile von Haiti. Vor Ort war damals Astrid Nissen. Sie leitet das Projektbüro der Diakonie Katastrophenhilfe in dem Karibik-Staat. Seit 2005 koordiniert und organisiert Nissen zusammen mit derzeit 26 Mitarbeitenden die verschiedenen Hilfsmaßnahmen vor Ort.
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Was sind die besonderen Bedingungen der Katastrophenvorsorge in Haiti?
Es fehlt hier an Infrastruktur. Außerhalb der Hauptstadt, vor allem in den entlegenen ländlichen Gebieten, gibt es bislang keinen funktionierenden Katastrophenschutz. Genau dort setzt unsere Arbeit an. Und in den Städten ist die Bevölkerungsdichte so groß, dass es nicht genug Notunterkünfte gibt, in denen die Menschen untergebracht werden können.
Wie kann man die Menschen vor den Folgen von Hurrikans schützen?
Bei der Katastrophenvorsorge setzen wir vor allem auf den Ansatz der kommunalen Risikobewältigung. Das heißt, wir arbeiten mit lokalen Organisationen zusammen und erstellen gemeinsam mit den Menschen vor Ort Risikokarten und Katastrophenschutzpläne. Wir veranstalten Workshops und klären an Schulen über die Bedeutung von Katastrophenvorsorge auf. Mit Aufforstungsprogrammen beseitigen wir Umweltschäden und schützen die Berghänge besser vor Erosion und Erdrutschen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Hurrikans?
Am spürbarsten wird der Klimawandel daran, dass sich die traditionellen Regen- und Trockenzeiten auflösen. Es gibt Regionen mit immer längeren Trockenzeiten und andere mit häufigeren und längeren Regenfällen. Das Wetter wird unberechenbarer. Früher, so die Leute vor Ort, konnte man die Uhr nach den Trocken- und Regenzeiten stellen. Die Wetterveränderungen bringen das Ökosystem durcheinander. Außerdem haben sich die Menschen noch nicht auf die veränderten Bedingungen eingestellt und verwenden die gleichen Anbaumethoden wie früher. Weil die Berghänge abgeholzt sind, kommt es durch die extremen Niederschläge immer wieder zu Erdrutschen oder Gerölllawinen.
Auch die Häufigkeit und Intensität der Hurrikans nimmt zu. Die Hurrikan-Saison geht von Juni bis November, wobei die Gefahr schwerer Stürme von August bis Oktober am höchsten ist. Trotz relativ präziser Vorhersagen wird es immer schwieriger, sich darauf vorzubereiten. Im Jahr 2008, als vier schwere Wirbelstürme das Land verwüsteten, haben die Hurrikans zum Teil in letzter Minute die Richtung geändert und somit Landesteile getroffen, für die es vorher keine Warnungen gab.
Wie haben sich die Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge, die 2009 begonnen wurden, bei dem schweren Erdbeben im Januar 2010 bewährt?
Die lokalen Katastrophenschutzkomitees in der Gemeinde Bainet, die im Rahmen des Projektes zur Katastrophenvorsorge ausgebildet und ausgerüstet werden, haben sehr schnell Informationen über Ausmaß der Schäden, Todesopfer und Verletzte an den Zivilschutz geliefert. Die Einsatzbrigaden dieser Komitees sind wenige Stunden nach dem Erdbeben ausgerückt, um nach verschütteten Personen und Verletzten zu suchen.
Desweiteren haben 14 von 15 sturmsicher gebauten Häusern in Bainet dem Erdbeben standgehalten. Ebenso zwei Notunterkünfte, die wir in der Gemeinde gebaut haben. Ich denke, dass wir mit unseren Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf dem richtigen Weg sind.
zuletzt aktualisiert: 06.07.2010
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