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Am größten ist die Not nach wie vor in Somalia. Nur dank massiver internationaler Hilfe konnten in den vergangenen Monaten Hunderttausende Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden. Vor kurzem haben die Vereinten Nationen sogar den Notstand in drei von sechs Regionen aufgehoben. Für Entwarnung ist es jedoch zu früh. Denn noch immer leiden im Süden des Landes mehr als 250.000 Menschen akut Hunger. Andauernde Kämpfe und Terroranschläge erschweren jedoch die Hilfslieferungen.
Die Nahrungsknappheit in Somalia wird nach Expertenmeinung noch bis weit ins nächste Jahr andauern. Vor allem die Flüchtlinge im so genannten Afgoye-Korridor und in der Hauptstadt Mogadischu sowie die verarmte Landbevölkerung im Süden sind deshalb weiter dringend auf Hilfe angewiesen, zumal der Militäreinsatz gegen die Shabaab-Milizen die Lage noch unsicherer macht.
Krank auf der Flucht
Dürre und Krieg haben allein von September bis November 2011 mehr als 81.000 aus ihrer Heimat vertrieben. Viele hausen in notdürftig aus Stöcken, Karton und Lumpen gebauten Hütten. Wer nicht das Glück hat, eine wasserfeste Plastikplane zu erhalten, hat es in der Regenzeit noch schwerer. Viele Flüchtlinge sind erkältet, leiden an Lungenentzündungen, Malaria oder Durchfall als Folge von verschmutztem Wasser.
Neutrale Helfer in der Gefahrenzone
Die Hilfslieferungen werden durch die andauernden Kämpfe und Terroranschläge erwschwert. Ende November verhängten die somalischen Rebellen zudem eine Sperre für 16 internationale Organisationen. Die somalischen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe sind nicht davon betroffen und können ihre Arbeit fortsetzen. Ihre strikte Neutralität und langjährige Präsenz sichert ihnen die Akzeptanz und den Respekt aller Konfliktparteien.
Hoffen auf eine politische Lösung
Dennoch begleiten Unsicherheit und Gefahr die Helfer auf Schritt und Tritt. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung ist es dem somalischen Team trotz aller Erschwernisse gelungen, in den letzten Monaten mehr als 100.000 Menschen in Banadir, Galguduud und Lower Shabelle mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern zu versorgen. „Eine nachhaltige Besserung der Situation ist aber nur möglich, wenn es langfristig eine politische Lösung für Somalia gibt“, betont Kai Henning, Somaliaexperte der Diakonie Katastrophenhilfe.
Trinkwasser und Nahrungsmittel sind weiterhin am dringlichsten, um das Überleben der Flüchtlinge in Somalia zu sichern. Pro Kopf liegt die Mindestmenge bei 15-17 Litern Wasser am Tag, um die Grundbedürfnisse wie Trinken, Kochen, Spülen, Waschen und persönliche Hygiene zu decken. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat deshalb verschiedene Projekte in angestoßen, die die Wasserversorgung dauerhaft verbessern sollen:
In der Provinz Galguduud haben die Partner in der schlimmsten Trockenphase 18.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Per Tanklastwagen wurden bis Oktober 300.000 Liter in das Dürregebiet transportiert.
Zur Überlebenssicherung versorgen die Hilfskräfte zudem über 100.000 Dürre- und Kriegsflüchtlinge mit dringend notwendigen Nahrungsmitteln. Bei den Verteilungen erhalten die Betroffenen Rationen mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln für die Ernährung einer sechsköpfigen Familie.
Für Familien, die bei der Flucht alles verloren haben, stellen die Helfer außerdem Pakete mit dem wichtigsten Alltagsbedarf zusammen. 3.200 Familien wurden bereits bis November mit Matten, Kanistern, Decken, Seife ausgestattet. Weitere 8.500 erhalten Familienpakete mit Kochgeschirr, Schlafmatten, Decken, Wasserkanistern und Seife, die ihnen helfen sollen, die Notsituation zu überstehen.
Auch um Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen kümmern sich die somalischen Helfer:
Die Diakonie Katastrophenhilfe sichert außerdem die medizinische Versorgung der Hungerflüchtlinge in Somalia:
Das vor allem auf die Versorgung von Kindern und Frauen spezialisierte Banadir-Krankenhaus ist eine der wenigen noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen in der kriegszerstörten Stadt. Über die angeschlossenen mobilen Gesundheitsdienste werden auch die Vertriebenen in den Flüchtlingsansammlungen außerhalb der Stadt erreicht.
zuletzt aktualisiert: 23.12.2011