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Kriege und Konflikte 

Kriegsschauplatz Dritte Welt

Die Mehrzahl aller Kriege seit 1945 – insgesamt weit über 200 – wurde in der sogenannten "Dritten Welt" ausgetragen, mit geschätzt über 40 Millionen Kriegstoten. Auf vielfältige Weise sind daran auch die westlichen Industriegesellschaften beteiligt: durch militärische Interventionen, Waffenlieferungen, ökonomische Komplizenschaften und diplomatisch-politische Schützenhilfe.

Flüchtlingslager in der Demokratischen Republik Kongo
Flüchtlingslager in der Demokratischen Republik Kongo
Foto: Tarik Tinazay

Seit Mitte der 1990er Jahre lässt sich eine wachsende Zahl von Konflikten mittlerer und niedriger Gewaltintensität beobachten, die ein erhebliches kriegerisches Eskalationspotential aufweisen. Viele davon werden von den Medien kaum beachtet, da sie keine wichtigen Interessen westlicher Industrieländer berühren, keine westlichen Truppen teilnehmen oder den Konflikten keine weltpolitische Bedeutung zugesprochen wird.

Ein neuer Kriegstypus

Einige der aktuellen Gewaltkonflikte weisen Elemente auf, die dem Typus so genannter "neuer Kriege" zugeschrieben werden. Dazu zählen vor allem:

  • Entstaatlichung und Privatisierung kriegerischer Gewalt:
    Gewaltakteure sind immer häufiger lokale "Kriegsherren", Aufständische, Terroristen, Milizen, Söldner sowie private Militär- und Sicherheitsunternehmen.
  • Ökonomisierung und Kommerzialisierung kriegerischer Gewalt:
    Politische Motive werden nur instrumentell zur Erringung wirtschaftlicher Vorteile eingesetzt – beispielsweise für die Ausplünderung wertvoller Ressourcen.
  • Regellosigkeit und Barbarisierung kriegerischer Gewalt:
    Normen des humanitären Völkerrechts werden missachtet, gezielte Gewaltanwendung gegen Zivilisten ist ein strategisches Element der Kriegsführung.

Ursachen und Opfer der Gewaltkonflikte

Die "neuen Kriege" resultieren häufig aus dem Bereicherungsinteresse von Machtcliquen und parasitären Eliten. Manchmal sind zwar die tieferen Ursachen von Gewaltkonflikten sozialer und politischer Art, nach Kriegsausbruch spielt jedoch die materielle Gier von Gewaltunternehmern und wirtschaftlichen Akteuren eine zentrale Rolle bei der Finanzierung und Dynamisierung der Kriegshandlungen.

Kriege sind vor allem humanitäre Katastrophen. Große Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung resultieren dabei meist aus indirekten Kriegsfolgewirkungen – der Zerfall von Infrastrukturen, mangelnder Zugang zu (über)lebenswichtigen Ressourcen. Deshalb führen Kriege oft zu Massenfluchtbewegungen. Doch auch nach gelungener Flucht ist die Sicherheit nicht immer gewährleistet: Flüchtlinge werden häufig als Geiseln politisch missbraucht, ihre Lager werden angegriffen, sie werden Opfer von Hungersnöten und Krankheiten.

Die wichtigste Aufgabe: Konfliktprävention

Das Regelwerk des humanitären Völkerrechts wies für innerstaatliche Konflikte schon immer eine relativ geringere Durchsetzungskraft aus. Selten handelt die internationale Gemeinschaft hinsichtlich des Schutzes von Zivilisten in angemessener Weise – auch deshalb ist und bleibt die Verhütung von Gewaltkonflikten durch effektive Maßnahmen der Konfliktprävention eine der wichtigsten Aufgaben.

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Kriegsschauplatz Dritte Welt – Langfassung von Prof. Dr. Volker Matthies (PDF, 129 KB)

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